Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kessel, sehr geehrter Herr Beigeordneter Horst,
für die kommende Sitzung des Bau- und Mobilitätsausschusses am 11. Juni 2026 stellen wir den nachfolgenden Dringlichkeitsantrag.
Der Bau- und Mobilitätsausschuss möge beschließen, dem Stadtrat folgenden Beschluss zur Empfehlung vorzulegen:
- Die Stadtverwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und dem Land Rheinland-Pfalz die durchgängige vergünstigte Nutzung des Schülertickets auch in den unterrichtsfreien Zeiten sicherzustellen. Für die Sommerferien 2026 ist eine fristgerechte Weiterführung zu prüfen und, soweit operativ umsetzbar, zu veranlassen. Ab 2027 wird eine dauerhafte, im Haushalt abgebildete Regelung zur durchgängigen Gültigkeit des Schülertickets angestrebt.
- Die Verwaltung berichtet dem Stadtrat bis zur nächsten Sitzung am 24.Juni 2026 über den Stand der Gespräche und mögliche Finanzierungsmodelle, beziffert die Zahl der anspruchsberechtigten Schülerinnen und Schüler sowie die Kosten je Ferienmonat (Monatspreis derzeit 63 Euro) und legt gegebenenfalls eine Beschlussvorlage vor.
- Der Stadtrat fordert die Landesregierung Rheinland-Pfalz auf, die Gültigkeit des Schüler-Deutschlandtickets verbindlich auf die unterrichtsfreien Zeiten auszuweiten und den Schulträgern die Kosten unter Beachtung des Konnexitätsprinzips zu erstatten.
Begründung
Das kostenfreie Schülerticket ist mehr als eine verkehrspolitische Maßnahme, es ist ein Bekenntnis der Stadt Worms zu sozialer Gerechtigkeit, Bildungschancen und Klimaschutz. Eine Aussetzung ausgerechnet in den Sommerferien trifft einkommensschwache Familien hart. Kinder und Jugendliche sind auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen, um Freizeit-, Bildungs- und Betreuungsangebote wie Freibäder, Sportvereine, Bibliotheken oder Ferienprogramme erreichen zu können. Eine Einschränkung dieser Mobilität beeinträchtigt nicht nur die Freizeitgestaltung, sondern erschwert die gesellschaftliche Teilhabe und kann bestehende soziale Ungleichheiten weiter verstärken.
Gleichzeitig ist das Schülerticket ein bildungspolitisches Instrument von erheblicher Tragweite. Schülerinnen und Schüler, die ganzjährig und selbstständig den ÖPNV nutzen, entwickeln frühzeitig Mobilitätskompetenz und Unabhängigkeit. Ferienzeiten sind keine bloßen unterrichtsfreien Zeiträume, sondern wichtige Phasen non-formaler Bildung und persönlicher Entwicklung. Ferienkurse, Praktika, kulturelle Angebote – all das ist nur erreichbar, wenn die Mobilität gesichert ist. Eine saisonale Unterbrechung des Tickets steht im Gegensatz zu den Bildungszielen, die Schulen und Stadtgesellschaft gemeinsam verfolgen.
Nicht zuletzt steht das Schülerticket im Einklang mit den Klimaschutzzielen der Stadt Worms. Wer junge Menschen dauerhaft an den ÖPNV gewöhnen will, muss ihnen ganzjährig eine verlässliche und kostenfreie Alternative zum privaten Pkw bieten. Darüber hinaus schafft die ganzjährige Gültigkeit des Schülertickets Planungssicherheit für Familien und erhöht die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs insgesamt.
Die Einsparungen, die durch eine Aussetzung erzielt werden könnten, stehen in keinem vertretbaren Verhältnis zu den damit verbundenen sozialen, bildungspolitischen und ökologischen Nachteilen für unsere Schülerinnen und Schüler.
Begründung der Dringlichkeit:
Die Dringlichkeit ergibt sich daraus, dass die Sommerferien in Rheinland-Pfalz unmittelbar bevorstehen und eine spätere Entscheidung in Anlehnung an die reguläre Antragsfrist die Umsetzung des Antrags faktisch unmöglich machen würde.
Hier finden Sie den Antrag als PDF.