Grüner Abend zur Lage der Gesundheitsversorgung in Worms mit Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Armin Grau

Am 7. Dezember 2023 um 19 Uhr fand auf Einladung von Prof. Dr. Armin Grau, Abgeordneter und renommierter Gesundheitsexperte der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hamburger Tor eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Gesundheitsversorgung in Worms – Wie sich die Bundespolitik auf Patient*innen vor Ort auswirkt“ statt. Als ortkundige Expert*innen der grünen Parteibasis in Worms brachten die in Worms-Horchheim niedergelassene Ärztin Dr. Ariane Jeschek und der Gesundheits- und Krankenpfleger Matthias Bihn ihre Erfahrungen ein. Stadtrat David Hilzendegen moderierte die Diskussion.

Zu Beginn gab Armin Grau in einem Vortrag einen Überblick über aktuellen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen, wie den Personalmangel und die schlechte finanzielle Situation der Krankenhäuser sowie über die geplante Krankenhausreform. „Wir brauchen die Krankenhausreform ganz dringend, um die bedarfsnotwendigen Krankenhäuser finanziell besser abzusichern und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten“, so Armin Grau.

Anschließend lieferte er Daten zur Gesundheitsversorgung in Worms und erwähnte unter anderem, dass über 10 hausärztliche Kassenarztsitze aktuell nicht besetzt sind. „Im Bund müssen wir auch die ambulante Versorgung und die Zusammenarbeit ambulant-stationär stärker in den Fokus nehmen. Dazu ist ein wichtiges Bundesgesetz bereits in Vorbereitung. In Worms sind die intensive Zusammenarbeit der niedergelassenen Ärzt*innen im Wormser Gesundheitsnetz (WoGe), das breite Versorgungsspektrum des Klinikums Worms und das Engagement der Stadt in Sachen Gesundheitsförderung und Prävention starke Grundlagen für die zukünftige Versorgung.“ 

Mit Blick auf den Nachwuchs forderte Matthias Bihn: „Es ist wichtig, dass die Träger der generalistischen Pflegeausbildung attraktivere Bedingungen schaffen, um motivierte Auszubildende anzuziehen. Auch die Integration von Pflegefachkräften aus dem Ausland gehört besser gefördert.“ Er ergänzt: Pflegekräfte leisten unter schwierigen Bedingungen gute Arbeit. Gesellschaft und Politik müssen verstehen, dass eine gute Versorgung kranker Menschen Geld kostet. Das muss auch in die Hand genommen werden.“

Ariane Jeschek plädierte für die Stärkung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte als wichtige Säule der Wormser Gesundheitsversorgung. „Das Gesundheitssystem wird von Geldmangel und Überforderung geplagt. Wichtig ist es, einen niedrigschwelligen Zugang zu Beratung zu gewährleisten und gleichzeitig Notdienste zu entlasten. Wir brauchen eine bessere Öffentlichkeitsarbeit und Gesundheitsbildung schon ab der Kita.“, so die Internistin und Diabetologin aus Horchheim.

In Rahmen der nachfolgenden Diskussion wurden die Sorgen der Teilnehmenden über die aktuelle gesundheitliche Versorgungssituation in Worms mehr als deutlich: Die Suche nach einem Platz in einer Kinderarztpraxis treibt Familien um. Voraussetzung für die Neuaufnahme in die Kartei einer gynäkologischen Praxis ist häufig nur eine Schwangerschaft. Nicht selten wird für eine Hausarztpraxis weit in das Umland gependelt.

„Die Diskussion hat wieder einmal gezeigt, dass ein entscheidender Faktor für die Anwerbung medizinischen Fachpersonals eine gute städtische Infrastruktur ist. Wir benötigen endlich mehr Kita-Plätze, moderne Schulen und ein besseres Wohnungsangebot, um als Wohnumfeld attraktiv zu sein. Da der Personalmangel auf dem Land wie in der Stadt massiv spürbar ist, herrscht hier ein knallharter Wettbewerb, bei dem wir momentan nicht gut dastehen.“, so David Hilzendegen.

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